Zinsänderungsrisiko

Definition

Das Zinsänderungsrisiko bezeichnet die Gefahr, dass sich Kurse verschieben, weil sich das Zinsniveau am Markt ändert. Es wirkt besonders deutlich bei festverzinslichen Wertpapieren, beeinflusst aber auch die Bewertung von Aktien.

Erklärung

Wer Aktien Risiken verstehen möchte, sollte die Rolle des Zinsniveaus kennen. Steigen die Zinsen, gewinnen alternative, sicherheitsbetonte Anlagen an Attraktivität, was Druck auf riskantere Werte ausüben kann. Zudem erhöhen höhere Zinsen die Kreditkosten für Unternehmen und verändern die Bewertung künftiger Erträge. Sinken die Zinsen, wirkt das oft umgekehrt.

Besonders deutlich wird das Zinsänderungsrisiko bei festverzinslichen Wertpapieren: Steigt das allgemeine Zinsniveau, fallen die Kurse bestehender Papiere, weil neu ausgegebene Papiere höhere Zinsen tragen. Umgekehrt steigen die Kurse, wenn das Zinsniveau sinkt. Die Stärke der Reaktion hängt unter anderem von der Restlaufzeit ab — je länger, desto ausgeprägter reagiert der Kurs.

Zusammenhänge bestehen mit dem Inflationsrisiko, weil höhere Teuerung oft Zinsreaktionen nach sich zieht, und dem Währungsrisiko, weil Zinsunterschiede zwischen Ländern Wechselkurse beeinflussen. Das Zinsänderungsrisiko ist damit ein Baustein des umfassenden Marktrisikos.

Beispiel

Das allgemeine Zinsniveau steigt spürbar an. Festverzinsliche Papiere, die zuvor zu niedrigeren Zinsen ausgegeben wurden, verlieren an Wert, weil neue Papiere attraktivere Bedingungen bieten. Bei Aktien kann die höhere Verzinsung sicherheitsbetonter Alternativen dazu führen, dass Anlegerinnen und Anleger Abstand nehmen und Kurse nachgeben. Die Wirkung hängt dabei vom Einzelfall ab.

Abgrenzung

Das Zinsänderungsrisiko entsteht aus Veränderungen des Zinsniveaus, das Inflationsrisiko aus der Kaufkraftentwicklung und das Währungsrisiko aus Wechselkursschwankungen. Alle drei gehören zum weiteren Marktrisiko, da ihre Ursachen im makroökonomischen Umfeld liegen.

Häufige Fragen

Beeinträchtigt das Zinsänderungsrisiko nur Anleihen?

Nein. Es wirkt am deutlichsten bei festverzinslichen Papieren, beeinflusst aber auch die Bewertung von Aktien, weil sich die Rahmenbedingungen für Unternehmen und alternative Anlagen ändern.

Steigende Zinsen sind also immer schlecht?

Nicht pauschal. Sie wirken je nach Wert und Branche unterschiedlich. Festverzinsliche Papiere verlieren typischerweise, die Wirkung auf einzelne Aktien hängt vom Einzelfall ab.