Value at Risk
Der Value at Risk (VaR) ist eine statistische Kennzahl, die angibt, welcher Verlust innerhalb einer bestimmten Zeitspanne und einer festgelegten Wahrscheinlichkeit voraussichtlich nicht überschritten wird. Er ist eine Schätzung und keine Obergrenze für tatsächlich eintretende Verluste.
Erklärung
Wer Aktien Analyse lernen möchte, begegnet dem Value at Risk als verbreitetem Versuch, Risiken in eine Zahl zu fassen. Eine typische Aussage lautet: Mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit wird der Verlust innerhalb eines Zeitraums einen bestimmten Wert nicht überschreiten. Drei Angaben bestimmen das Ergebnis: die Zeitspanne, die Wahrscheinlichkeit und der Bezugswert.
Der Value at Risk stützt sich auf Annahmen über die Verteilung von Kursbewegungen, häufig auf die Volatilität und historische Daten. Weil solche Modelle mit Annahmen arbeiten, sind sie fehleranfällig. In ruhigen Phasen wirken sie oft zuverlässig, in Krisen können die tatsächlichen Verluste den geschätzten Wert deutlich übersteigen, weil extreme Ereignisse seltener sind als normale Schwankungen und von einfachen Modellen unterschätzt werden.
Der Value at Risk beschreibt außerdem nur einen Punkt innerhalb einer Wahrscheinlichkeitsverteilung. Er sagt nichts darüber, wie hoch der Verlust ausfallen kann, wenn die Schwelle überschritten wird. Zusammen mit dem Maximum Drawdown ergibt er ein vollständigeres, wenn auch unvollkommenes Bild.
Ein Wert habe in der Vergangenheit schwankungsarm notiert. Ein Modell schätzt, dass der Verlust innerhalb eines bestimmten Zeitraums mit hoher Wahrscheinlichkeit unter einem bestimmten Prozentsatz bleibt. Tritt jedoch ein ungewöhnliches Ereignis ein, das in den historischen Daten nicht oder kaum vorkam, kann der tatsächliche Verlust deutlich über der Schätzung liegen. Genau in dieser Lücke liegt die zentrale Schwäche des Value at Risk.
Abgrenzung
Der Value at Risk ist eine modellbasierte Schätzung unter einer Wahrscheinlichkeitsannahme, der Maximum Drawdown ein tatsächlich eingetretener historischer Rückgang. Die Volatilität misst die allgemeine Streuung, nicht die Höhe eines konkreten Verlusts. Keine der Kennzahlen sagt verlässlich voraus, was in der Zukunft passiert.
Häufige Fragen
Ist der Value at Risk eine sichere Verlustgrenze?
Nein. Er gilt nur mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit und beruht auf Modellannahmen. Die tatsächlichen Verluste können höher ausfallen, besonders in Krisen.
Warum wird der Value at Risk kritisch gesehen?
Weil er in ruhigen Phasen ein falsches Gefühl von Sicherheit vermitteln kann und extreme Ereignisse oft unterschätzt. Er ist ein Hilfsmittel, kein Ersatz für sorgfältige Überlegung.