Emotionalität beim Investieren

Definition

Emotionalität beim Investieren bezeichnet die Gefahr, dass Gefühle wie Angst, Gier oder Übermut zu unüberlegten Entscheidungen führen. Typische Muster sind der Einkauf nach starken Anstiegen und der Verkauf in Panikphasen.

Erklärung

In einem seriösen Aktien Ratgeber darf dieser Punkt nicht fehlen: Nicht nur die Märkte sind unberechenbar, auch der eigene Umgang damit. Die Verhaltensforschung hat wiederkehrende Muster beschrieben, die Entscheidungen verzerren. Dazu gehören die Neigung, der Menge zu folgen, Verluste nicht eingestehen zu wollen oder Erfolge der eigenen Klugheit zuzuschreiben, während Misserfolge äußeren Umständen angelastet werden.

Zwei Gefühle treten besonders häufig auf: Angst und Gier. In guten Zeiten verleitet Gier dazu, nach schnellen Steigerungen einzusteigen, in der Hoffnung, es gehe weiter bergauf. In schlechten Zeiten lösen fallende Kurse Angst aus, die dazu führt, genau im ungünstigen Moment abzustoßen. Beides passiert oft genau dann, wenn ein kühler Kopf das andere geboten hätte.

Weil Emotionen kaum auszuschalten sind, geht es nicht darum, sie zu bekämpfen, sondern ihnen vorzubauen. Ein durchdachter, vorab festgelegter Umgang kann helfen, spontane Entscheidungen zu reduzieren. Hilfreich ist zudem das Bewusstsein für das Verlustrisiko, die Volatilität und die eigene Einordnung in Risikoklassen. Das Informationsrisiko verschärft die Lage, weil schlechte oder aufgebauschte Nachrichten Emotionen weiter befeuern.

Beispiel

Ein Wert hat über Monate stark gestiegen und ist in aller Munde. Aus Gier steigt jemand kurz vor dem Höhepunkt ein, ohne die Grundlagen geprüft zu haben. Als der Kurs danach deutlich nachgibt, setzt irgendwann Panik ein und die Beteiligung wird mit Verlust abgestoßen — kurz vor einer späteren Erholung. Typischerweise wurden hier zwei ungünstige Zeitpunkte gewählt, getrieben von Gefühl statt von Überlegung.

Abgrenzung

Die Emotionalität ist ein verhaltensbezogenes Risiko der handelnden Person, während Volatilität und Marktrisiko Eigenschaften des Marktes sind. Sie beeinflussen sich jedoch gegenseitig: Starke Schwankungen wecken Emotionen, und Emotionen können Schwankungen im eigenen Verhalten verstärken.

Häufige Fragen

Kann man Emotionen ganz ausschalten?

Kaum. Es geht eher darum, sie zu erkennen und durch vorab getroffene Entscheidungen abzufedern, statt in stressigen Momenten spontan zu handeln.

Sind Verhaltensmuster bei jedem gleich?

Es gibt typische Muster, aber die Ausprägung unterscheidet sich von Person zu Person. Sich der eigenen Neigungen bewusst zu sein, ist ein erster Schritt.